Revolutionsmuseum, Havanna

Die Revolution ist in die Jahre gekommen. Kaum noch zu erkennen die Schwarz-Weiß-Fotos der großen alten Männer und ihrer noch größeren Kämpfe. Moncada, Sierra Maestra, Schweinebucht. Man kennt das aus den Geschichtsbüchern und dachte, es wäre irgendwie bunt. Oder wenigstens heroisch. Und jetzt das. Eine Art Messe der Meister von Morgen, Platz drei. Höchstens. Schaukästen, in denen die Bildchen schief hängen und sich die Beschriftung wellt. Nachgebaute Straßenzüge und Landschaften, die jedem Modelleisenbahner peinlich wären. Da ist der Trupp von Fidel lang und da der von Raul. Wo genau, muss man raten. Die Pioniere, die hier Museum machen, haben irgendetwas ausgeschnitten und hingekritzelt. Egal.

DSC00074Eine nette Ecke hat das Museum immerhin: dort, wo an Che und Cienfuegos erinnert wird. Junge bärtige Männer, die lebensgroß durch den Dschungel hüpfen und Freunde gewesen sein sollen. Früh gestorben und so vermarktbar bis heute. Che noch besser als Cienfuegos. Jeder Souvenirverkäufer hat ihn, auf T-Shirts, Postkarten, Tassen. Zusammen hängen die beiden am Platz der Revolution, der eine am Informationsministerium, der andere am Innenministerium. Marco Polo spricht von „repräsentativen Gebäuden“. Deshalb weiß der Kulturkonsument im ersten Moment gar nicht, dass er schon da ist, als er auf dem riesigen Platz steht und die winzigen Plattenbauten sieht.

DSC00112Das Revolutionsmuseum hat es da besser. Der alte Präsidentenpalast macht wenigstens von außen etwas her. Innen soll der Spiegelsaal das Highlight sein, ganz so wie in Versailles. Mmh. Variante Havanna: ein paar Plastikstühle und Farbe, die abblättert. Kuba eben. Viel Personal, Bücher von Fidel und über Fidel zum Mitnehmen. Die aktuelle Geschichte endet 1990. Lonely Planet warnt vor „mucho propaganda“ für die Zeit nach 1959, aber so viel ist da nicht. Oder der Schreiber ist im Westen groß geworden. Ein paar Babys beim Arzt und ein paar Omas bei der Gymnastik. Der Sozialismus siegt, überall und für jeden. Die kubanischen Olympiasieger auf winzigen Bildchen, namenlos. Juanturena, Teofilo, Sotomayor. Was hätte ein guter Propagandaoffizier daraus gemacht. Diese Revolution hat nicht nur Havanna verrotten lassen. Ihr fehlt auch ein Museum.

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Ein Gedanke zu “Revolutionsmuseum, Havanna

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